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Freitag, 8. Februar 2013

nackte männer - Leopold Museum, 6. Februar 2013

nackte männer


...diese Nackerten... am Mittwoch bin also auch ich in diese Ausstellung gepilgert und irgendwie mit gemischten Gefühlen wieder herausgekommen.

"Vielfältig" ist eventuell das Wort, das die Ausstellung am Besten beschreibt. Da das Hauptthema der nackte Mann in der Kunst ist, konzentriert sich die Ausstellung nicht auf einzelne Epochen oder Strömungen sondern spannt den Bogen vom Klassizismus über die Klassische Moderne bis ins Heute hinein - eine Sammlung von Bildern und Objekten, also, in denen nackte Männer vorkommen, geordnet nach Entstehungszeit.
Knappe Einführungstexte geben etwas Einführung, dann geht man von Installationen zu den steif wirkenden (und natürlich nackten) Helden des Klassizismus, in die mir vertrauteren Gefilde der klassischen Moderne und weiter in die Gegenwart, die sich mit Fotos und weiteren Installationen viel Platz nimmt.

Hat mir gefallen:
Verner Thomé
Knaben am Strand, um 1910/11
Natürlich ist das Thema der Ausstellung sehr weit gegriffen. Ein wenig negativ aufgefallen ist mir aber trotzdem die fehlende Tiefe.
Die Räume sind nach zeitlichen/ inhaltlichen Schwerpunkten aufgeteilt, roter Faden bleibt dabei einzig der nackte Mann/ Jugendliche/ Bub in der Kunst. Hier hat mir ein wenig die vertiefende Auseinandersetzung mit dem Wandel der Darstellung/ des Stellenwertes des nackten Mannes in der Kunst gefehlt, mit der/dem sich ja die Ausstellung per Eigendefinition auseinandersetzen will. Die Relevanz mancher Werke war mir nicht ganz klar - als Beispiel für welche Entwicklung/ welchen Schwerpunkt sie gelten sollten - und es gab keine erklärenden Plaketten neben den Bildern, die auf eine besondere Aussagekraft/ Repräsentanz oder Bedeutung des Bildes aufmerksam gemacht hätten.
Ja, es gab Texte an der Wand, man hat sich von den Pharaonen weg vorwärts durch die Zeit bewegt, man konnte einen Wechsel erahnen. Aber irgendwie war man mit den kurzen Texten allein dann doch ein wenig verloren und ist eher mit einem "Aha" an den Bildern vorbeigegangen. Hätte ein Audioguide Abhilfe geschaffen? Hätten ausführlichere Texte geholfen? Dramatischere Raumwechsel (Vorhänge und dergleichen)? Hab ich mir zu viel feministische Sichtweise erwartet?

Eine Folge davon, dass mir der Fokus auf den Wechsel der Rolle des nackten Mannes in der Kunst ein wenig abgegangen ist, war, dass mir jeder Raum eher wie eine flüchtige Auseinandersetzung mit einem Ideennukleus für eine eigene Ausstellung vorgekommen ist.
Zu Räumen und Ansätzen, die mich interessiert haben, hätte ich sehr gerne viel mehr erfahren oder mehr von dieser Auseinandersetzung gesehen. Da war zum Beispiel die Sicht von Künstlerinnen auf den nackten Mann - wär das nicht eine Ausstellung wert? Oder die Auseinandersetzung mit den Rollen der Männlichkeit und der Weiblichkeit durch KünstlerInnen beiden Geschlechts. Die Nacktheit in Selbstportraits. Oder, dieser Raum hat mir besonders gefallen, die Auseinandersetzung mit und die Darstellung von Homosexualität in der Kunst. Oder Aktionismus und Nacktheit. Wenn schon keine ganze Ausstellung zu den einzelnen angerissenen Themen dann doch ein wenig mehr Information, auch ohne Audioguide..
So war ich nach etwa 1 1/4 Stunden wieder aus der Ausstellung draußen, mit Gedanken wie "Wer war Verner Thomé?", "Römer in Unterwäsche sehn eigentlich nicht schlecht aus" und "Hoffentlich gibt es bald eine Ausstellung über die Homosexualität in der Kunst", aber ohne allzu großen Erkenntnisgewinn.

Römer in Unterwäsche

Fazit: Interessante Grundidee, gute Werbestrategie, aber irgendwie fehlt mir der Tiefgang. Vielleicht schafft ein Audioguide Abhilfe. Trotzdem anschaun gehn; es sind einige wirklich interessante Exponate dabei - und mit der Eintrittskarte kann man sich nachher das gesamte restliche Museum anschaun. Es lohnt sich also auf alle Fälle.

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Mittwoch, 8. Juni 2011

Egon Schiele - Selbstportraits und Portraits , Belvedere, 21. 2. 2011

Einer meiner allerliebsten Maler beeindruckt und glänzt

Seit 27.2. liegt dieser Beitrag unfertig herum, jetzt geht die Schieleausstellung nur noch ein paar Tage, bis 13.6. - Zeit, endlich meiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen ;o).

Vorweg: Man kann wohl nur begeistert sein, wenn man eine so umfassende Ausstellung eines seiner Lieblingsmaler anschaun geht und dabei einige seiner Werke zum ersten Mal lebensecht sieht. Trotzdem ein Versuch, objektiv zu bleiben:
Nach einer teilweise unterirdischen Wanderung zu den Ausstellungsräumen betritt man eine etwas abgedunkelte, seltsam lachsrosa-pastellige, runde Welt, die nicht aus einzelnen Ausstellungsräumen besteht, sondern aus durchgehenden, kurvenden Wänden. Nicht so dunkel, wie in der Albertina und nach der ersten Verwunderung über die Wandfarbe eigentlich sehr angenehm; es bleibt allerdings durch die Architektur im Gedächtnis nicht viel von der (räumlichen) Struktur und vom Aufbau der Ausstellung erhalten - eine durchgehende "Wurscht" halt ;o).
Die Ausstellung beginnt mit den frühesten Bildern Schieles, von den braven Studien der Akademiezeit in Kohle hin zu ersten wirklich eigenständigen Kunstwerken. Man steht schon gleich am Anfang da und staunt über die sicheren Linien und die hier dokumentierte Verwandlung innerhalb von zwei Jahren nach dem Austritt aus der Akademie der Bildenden Künsteund der Abwendung vom Konventionellen. Erste Auftragswerke bzw. Werke, für die sich der Maler Geld erhofft, mitsamt Vorstudien. Schon sehr bald nach Betreten der Räume erkennt man "den Schiele" in den Bildern, und je mehr Details einem auffallen, desto länger steht man und schaut einfach nur:
Grün, ocker und rot vor hellem, undefiniertem Hintergrund dominieren in den frühesten Portraits und es wird in die flüssige Ölfarbe hineingewischt und -gekratzt für Gewandfalten und Haut - v.a. die Hände fallen auf. Schiele macht da scheinbar keinen Unterschied zwischen kleinformatigen Arbeiten (mit Zeichnung, Aquarell, Gouache etc.) und den großen Bildern, was den Technikmix und die Arbeitsweise betrifft. Bei diesen Bildern finde ich die Mischung aus Ausführen (Akzente), Weglassen, Verzerren und Darstellen von Details (Lippen, Augen, Hände, einige Gewanddetails) besonders interessant, und immer die sichere, dunkle Linie Schieles.
Man geht von Bild zu Bild und wird so weiter durch die gewundenen "Eingeweide" geschleust, ohne es wirklich zu merken, trifft dabei auch auf zwei, drei Arbeiten, die (mir) irgendwie so gar nicht gefallen (Farben, Ausführung), bevor man wieder begeistert steht und schaut, dabei Schieles Leben in seinen Bildern verfolgt (erste Auftragswerke, "Brautwerbung", Zeit im Gefängnis, Zeit beim Militär - alles über Portraits dokumentiert). Zeitweise hat man vom Ausstellungsaufbau her ein bisschen Schwierigkeiten zu erkennen, wo's chronologisch weitergeht, weil die Räume so rund und ineinander verschlungen sind - was aber nichts an den tollen Bildern ändert, bei denen man trotz ihrer eher übergangslosen Präsentation um 1915 eine Änderung im Stil Schieles erkennt:
Die Linie bleibt, wird aber stärker, die Farbe wird dickflüssiger, "eckiger", wirkt trocken verschmiert, nicht mehr flüssig (z.B. Tod und Mädchen 1915). Rot und Türkis werden jetzt für Akzente des Körpers/ der Haut verwendet (Wangenknochen, Ellbogen etc.). Zwischen die späteren Bilder mischen sich auch immer wieder und weiterhin ausdrucksstarke Kohlezeichnungen, die einem selbst so richtig Lust aufs Zeichnen machen. Die Hintergründe der späten gemalten Portraits werden ein wenig gegenständlicher, teilweise sehr dunkel, bleiben aber alles andere als realistisch, womit der Fokus wie bei den frühen Bildern auf dem Modell verbleibt.
Über die außerkünstlerische (<-- Wort?) Entwicklung Schieles erfährt man über die (teilweise wie willkürlich hingeklebte) Wandtexte und über die an mehreren Stationen elektronisch präsentierten Briefe des Künstlers (Bittbriefe ("Brauche Geld, bitte um XY Kronen"), Briefe über Leinwände und Farben, Briefe an Portraitierte und Freunde), die gleichzeitig auf angenehme Weise das Staunen auflockern.

Ja. Einen Abschluss oder eine Entwicklung innerhalb der Portraits hin zu einem "Spätwerk" gibt es bei Schiele nicht, der Künstler und seine hochschwangere Frau sterben 1918 jung an der Spanischen Grippe. Dementsprechend abgehackt ist auch die Ausstellung mit einem seiner letzten Bilder zu Ende. Ein paar inszenierte Portraitfotos Schieles bilden den angehängten Abschluss, draußen kann sich der Besucher noch einmal die "Lebenslinie" mit Fotos anschaun.

Ich bin dort gänzlich begeistert hinausgegangen, nachdem ich zwei Stunden oder mehr in den seltsamen "Eingeweiden" des Belvederes  glücklich gestaunt hab. Geärgert hab ich mich dann nur im Shop, weils dort keine schönen Schielepostkarten sondern nur den "Klimtglitzerscheiß" für Touristen gegeben hat. Aber das ist meine persönliche Misere ;o).

Organisation der Ausstellung: chronologisch - dadurch, dass die Räume aber rund und ineinander verschlungen sind, Reihenfolge nicht immer sofort ersichtlich
Bildpräsentation: Vor lachsrosa-pastelliger Wand, Beleuchtung angenehm.
Info an den Wänden/ neben den Bildern: Bildbezogene Infos neben den Bildern, dazu die großen Texte an der Wand - die aber einfach wie irgendwie dort an die Wand geklebt wirken, wo halt noch Platz war. Man liest sie nicht, wenn man eine neue Abteilung betritt, sondern irgendwann dazwischen. Positiv: Die Briefe Schieles an Gönner und Auftraggeber - Geldprobleme und Bittbriefe - sehr gelungen zur Auflockerung, man erhält näheren Einblick in das alltägliche Leben des Künstler. Interessant wären hier evtl. noch die Reaktionen der Portraitierten gewesen.
Gesamteindruck: Durch die runden Räumlichkeiten und die dazwischen geworfenen Texte ein wenig schwammig im Gerüst, aber der Inhalt ist absolut, absolut sehenswert. Man steht und schaut, schaut, schaut, lauter Details, die einem auffallen, sehr viel Platz und Zeit vor den Bildern -- am Liebsten wär ich mir die Ausstellung noch ein zweites Mal anschaun gegangen, so gut hat sie mir gefallen. Wer noch Zeit hat: unbedingt anschaun gehn!!! :o)

Angeschaut in ca. 2 Stunden.
Eintritt für Studenten: € 7,-
Eintritt normal: € 9,50


Besonders gut haben mir gefallen:
Sitzender männlicher Akt, 1910
Öl und Deckfarbe auf Leinwand

Eduard Kosmack mit gefalteten Händen, 1910
Kohle, weiß gehöht auf Papier

Selbstportrait mit braunem Hintergrund, 1912
Gouache, Aquarell und Bleistift auf Papier

Sitzender männlicher Akt (Selbstportrait), 1917
Schwarze Kreide auf Papier

August Lederer, 1918
Schwarze Kreide auf Papier

Lilly Steiner, 1918
Schwarze Kreide auf Papier

Freitag, 11. Februar 2011

"Der Blaue Reiter" und "Roy Lichtenstein", Albertina, 11.02.2011

Bin heut mit meiner liebsten Ausstellungsbegleiterin in die Ausstellungen "Der Blaue Reiter" und "Roy Lichtenstein 1961-1968" gegangen. Was uns beim Picasso und Michelangelo nicht möglich war - nämlich, in beide Ausstellungen der Albertina am selben Tag zu gehen - war hier durchaus machbar; Gesamteindruck "ganz nett.". Doch zuerst einmal zu den Ausstellungen im Detail:


Der Blaue Reiter: Man betritt die Räume - und, typisch Albertina, es schummert. Seltsamerweise ist das Licht in den ersten paar Räumen noch gedämpfter als in den letzten. Vielleicht hängt das damit zusammen, das gleich einmal mit Kandinsky begonnen wird und diese Werke weniger Licht vertragen.. ?.

Everybody's favorite: Farbstudie von Kandinsky
Vor durchgehend stahlgrauem Hintergrund hängen jedenfalls die Bilder, in jedem Raum dazu mindestens ein Zitat des Künstlers im Bereich unter seinen Bildern. Nach einem allgemeinen Einführungstext wird man über das noch "untypische", frühere Werk von Kandinsky übergeleitet zu Bildern seiner Durchbruchsphase um 1908/9, bevor man dann mit der Art von Werken konfrontiert wird, die man gemeinhin mit Kandinsky in Verbindung bringt - Farben und Abstraktes. Diese Bilder sind vor allem jene, die die Albertina selbst besitzt. Es handelt sich dabei um großteils eher kleinformatige Werke, Entwürfe und Zeichnungen. Fragen wie Bildaufbau, Arbeitsweise, Farbwahl drängen sich auf, werden aber durch keinen Beitext beantwortet. Beeindruckt wird man trotzdem durch die Farbe und die Vielfalt der Materialien, Medien.

Nach 2 Räumen Kandinsky kommt Herr Klee an die Reihe (1 Raum), dem ich ehrlich gesagt wie hier gezeigt bis um 1920 nichts abgewinnen konnte. Wieder sehr viele Zeichnungen, kleine Drucke, zwei, drei kleine Aquarelle. Man geht halt so vorbei und denkt "Aha."

Weiter mit Franz Marc, dem ein halber Raum gewidmet ist. Obwohl ich zugeben muss, dass gerade das Bild mit dem roten und blauen Pferd, das als Werbeträger für die Ausstellung verwendet wird, mir wenig gefällt, haben's seine Werke doch in sich. Hier hängen größere Holzschnitte, einige großformatige Gemälde. Fein :o). Marc ist mutig mit der Farbe, stilsicher, das gefällt mir. Von ihm hätte ich gern mehr gesehen.

Im selben Raum hängt noch Heinrich Campendonk (1 Halbwand) mit einigen schönen Holzschnitten - wenn man hier nach Kandinsky und Klee zu Macke kommt, dem eine Eckwand gewidmet ist, glaubt man doch eine gewisse Beeinflussung in Punkto Bildaufbau und Farbe, manchmal evtl. auch bei den Medien wahrzunehmen. Leider wird hier wieder nicht durch Beitext kommentiert.. vllt. hätte man sich einen Audioguide nehmen müssen?

Nach den drei Herren kommt man zu Kubin, dem ein ganzer Raum gewidmet ist. Menschen, die vor ca. 2 Jahren die Surrealismusausstellung im Leopoldmuseum besucht haben, werden hier ein ausgedehntes Déjàvuerlebnis haben; viele der Drucke und Zeichnungen hat man auch dort schon bestaunen können. Es wird einem aber auch beim zweiten Mal ein bisschen unwohl beim Anschaun, die Wirkung haben sie also nicht verloren ;o).

Nach dem bedrückenden Kubin freut man sich über das Leben, das Frau Müntner (1 kleiner Raum) abbildet, geht aber mit wenigen bleibenden Eindrücken (zu wenig Exponate) weiter und kommt zu Jawlensky (3/4 Raum), der sofort durch die Schlichtheit seiner Portraits, denen geradedeshalb eine gewisse Genialität anhaftet, begeistert. Teilweise erinnern die dann auch an Picasso.

Den Abschluss bilden Lyonel Feininger (Halbwand) und Marianne von Werefkin (ebenfalls eine Halbwand), die beide nicht so recht zu dem passen wollen, was man vorher gesehen hat. Und dann ist man auch schon wieder heraußen und zuckt leicht mit den Schultern..


Organisation der Ausstellung: Nach Künstlern geordnet, "pro Künstler" chronologisch
Bildpräsentation: Vor stahlgrauer Wand, die nie in die Werke eingreift, wieder etwas schummrig, aber man gewöhnt sich.
Info an den Wänden/ neben den Bildern: Welche Info? Außer den Künstlerbiographien und den paar Zitaten bekommt man nicht viel..
Gesamteindruck: "Ganz nett." Irgendwie fehlt der Tiefgang. Was beim Picasso und beim Michelangelo die kleinen Texte neben den Bildern an Zusammenhang und Zusatzinformation geschaffen haben, fehlt hier - das Erlebnis bleibt irgendwie ein bisschen flach. Man erhält zwar die Künstlerbiographien, aber ein rechter Zusammenhang ergibt sich nicht. Natürlich haben es die Kuratoren hier ein bisschen schwerer gehabt, da die Gruppierung des Blauen Reiters nie so etwas wie einen typischen Stil herausgebildet hat - man hat sich auch bemüht, mit den Künstlerzitaten ein bisschen mehr Tiefgang zu erzielen. Schlussendlich bleibt es aber bei einem ein bisschen wahllos erscheinenden, zeitlich teilweise unzusammenhängenden Streifzug durch ein diverses Konglomerat an Arbeiten von Mitgliedern der Gruppierung.
Mehr oder v.a. gezielter ausgewählt hätte mir besser gefallen. Dementsprechend "zügig" ist man auch durch die Ausstellung durch und denkt sich nach einer kurzen Pause: "Auf zu Roy Lichtenstein".


Roy Lichtenstein 1961-68: Hier sei vorweggenommen, dass weder ich, noch meine Begleiterin da noch wirklich lange wollten oder wirklich dafür in die Albertina gekommen wären. Dementsprechend kurz war unser Aufenthalt in der relativ überschaubaren Ausstellung (2 große und ein kleiner Raum), die mit den Vitrinen, in denen massenweise die original Arbeitsgeräte und Bleistifte etc. des Künstlers ausgestellt sind, ein wenig seltsam wirkt (meinetwegen in Roy Lichtensteins museal genutztem Geburtshaus oder Atelier, aber in einer Werksausstellung? Bissl seltsam..). Nun, die Bilder sind schnell angeschaut. Was einen eher begeistert als die tatsächlichen Werke sind die Ideen dahinter - wie kommt ein Mensch auf sowas? Amüsant, man wundert sich, lächelt, staunt und geht so recht gut unterhalten von einem Bild zum nächsten durch die paar Räume, mit denen man bald fertig ist.


Beides angeschaut in ca. 2 Stunden.
Eintritt für Studenten: € 7,-
Eintritt normal: € 9,50

Besonders gut haben mir gefallen:
Blauer Reiter:
Kandinsky, Entwurf zu Komposition VII 1913,Aquarell, Tusche und Bleistift

Kansinsky, Farbstudie - Quadrate mit konzentrischen Ringen 1913 (siehe Foto)

Klee, Die kleine Lampe im Atelier, Schwarzaquarell und Bleistift, 1909

Campendonk, Halbakt mit Katze 1912, Holzschnitt, handkoloriert

Roy Lichtenstein:
Compositions I, 1964, Magna auf Leinwand.

Sonntag, 16. Januar 2011

Picasso - Frieden und Freiheit, Albertina, 14.01.2011

In letzter Sekunde in den Picasso

Naja, so knapp war's dann auch nicht, aber immerhin am vorvorletzten Tag, also am letzten Freitag, bin ich doch noch in den Picasso gegangen. In Erwartung unglaublicher Massen war ich auf das Schlimmste gefasst - und hab stattdessen relativ viel Bewegungsfreiheit und eigentlich sehr angenehme Verhältnisse vorgefunden. Zwar hab ich ab und zu die Kinder- und Schülerführungen umschiffen müssen, aber dann schaut man sich halt derweilen ein anderes Bild an. Vllt. hat auch die Uhrzeit (kurz vor Mittag) was damit zu tun, das ich nicht erdrückt wurde.


Jedenfalls zur Ausstellung: Eine Art Analyse der politischen Auswirkungen auf Picassos Werk wird angekündigt. Man betritt die Ausstellung und findet neben Räumen in Grau und Weiß das scheinbar für die Albertina typische Schummerlicht vor. Was beim Michelangelo nicht weiter aufgefallen ist, hat hier doch unangenehme Auswirkungen: Die erklärenden Tafeln neben den Bildern (Hellgrau/ Weiß auf etwas dünklerem Grau) sind so klein beschrieben, dass sie in diesem Licht von höchstens einem Besucher auf einmal gelesen werden können. Bei dem Besucherandrang, den wir dort auf unserem kurzen Abstecher nach dem Michelangelo erlebt haben, wohl ein Ding der Unmöglichkeit - was schade gewesen wäre, weil die Tafeln wirklich informativ sind. Auch die großen Beschreibungen zu den verschiedenen Räumen, die eine groben Überblick geben, sind eine interessante Untermauerung der Bilder, gemeinsam mit den wandfüllenden Schwarz-Weiß-Fotos von Zeitgeschehen an meist zwei der vier Wände.

Auf die damalige politische Lage und Atmosphäre eingestimmt, wendet man sich den Bildern zu und findet sich durch die persönlichen Schicksale, die Umstände der Zeit und die Art, wie Picasso seine Eindrücke ausdrückt irgendwie sehr berührt. Trotz der sehr reduzierenden Darstellungsweise malt der Maler nie gedankenlos; allem kommt Bedeutung zu und das Wichtigste bleibt erhalten - die gefesselten Hände Ermordeter, der Kontrast von Gewalt und Hilflosigkeit, Stilleben als Ausdruck von Unterdrückung und Bedrohlichkeit (ja, das geht), die zerbrochenen Menschen von La Guernica.

Die Schau zieht dabei einen Bogen von Picassos Bilder der Zeit vor dem 2. Weltkrieg bis zum Ende seines Lebens und zeigt Picassos Beschäftigung mit den spanischen Republikanern, dem Weltkrieg, den um Unabhängikeit kämpfenden Algeriern, dem Kalten Krieg, dem Vietnamkrieg, und anderen sozial und politisch unterdrückten oder ausgebeuteten Gruppen und endet mit Bildern seiner letzten Lebensjahre. Ein Raum wird dabei speziell Picassos Lebenslauf und den politischen Ereignissen während seiner Lebenszeit gewidmet.

Dadurch, dass die Ausstellung Bilder des entwickelten Künstlers zeigt, bekommt man einen Eindruck von stilistischer Geschlossenheit, der irgendwie sehr schön ist und von der Geschlossenheit Werk-Politik-Zeit noch untermauert wird. Mir gefällt auch das Schnelle an seinen Bildern - malbar in einer Sitzung, trotzdem steckt hinter ihnen viel Gedankenvolles; trotz der Reduktion erkennt man eindeutig Können hinter den Werken. Obwohl ich mit einigen der gezeigten Werke seiner späten Schaffenszeit nicht unbedingt so viel anfangen kann, wie mit denen der 1930er-1950er Jahre, kann man doch gesamt sagen, dass es für mich ein ziemlich beeindruckender und irgendwie auch aufwühlender Besuch war. Die durch die Fotos und die Beschreibungen geschaffene Atmosphäre und die reduzierte Direktheit von Picassos Werk zusammen sorgen für eine wirklich gelungene Ausstellung.

INFO FÜR ALLE, DIE'S LEIDER NICHT GESCHAFFT HABEN: Im Shop gibt's jetzt für kurze Zeit alles, was die noch so an Picassodingen haben, um -50% (da fallen auch die Postkarten drunter) und den Katalog um ca. € 14,-, statt € 21,-!!!


Organisation der Ausstellung: Sehr klar, chronologisch, dem Zeitgeschehen nach angeordnet. Die Bilder sind für die Analyse, die in der Ausstellung vorgenommen wird, sehr gut geeignet.
Bildpräsentation: Wie schon erwähnt, werden die Bilder durch Fotos politischer Ereignisse begleitet, die Farbgebung ist geschlossen und ruhig.
Info an den Wänden/ neben den Bildern: Inhaltlich sehr informativ, leider aber viel zu klein geraten - man kriegt selbst, wenn man als der einzige Besucher dicht davor steht, Augenbrennen.
Gesamteindruck: Hat mir gut gefallen, mich zum Nachdenken gebracht.

Angeschaut in ca. 1 1/2 Stunden
Eintritt Studenten: € 7,-
Eintritt Normal: € 9,50


Besonders gut haben mir gefallen:

Ziegenschädel auf einem Tisch
Mai 1952, Aquatinte
-bzw.
Ziegenschädel, Flasche und Kerze
16. April 1952, Öl auf Leinwand (siehe Foto oben)

Toter Hahn und Topf
1953, Öl auf Leinwand

Frauen von Algier (2. Variation)
7. März 1955, Lithographie

Plakat zu Présence Africaine
1956

Frau im Fauteuil Nr.1
30. Dezember 1949, Lithographie

Tuch für das Weltfestival der Jugend und Studenten für den Frieden, Ostberlin 5.-19. August 1951
1951, Farbdruck auf Baumwolle


Weitere Informationen:
http://www.albertina.at

Mittwoch, 10. November 2010

"Michelangelo: Zeichnungen eines Genies", Albertina, 10.11.2010

War heute, wiederum in sehr netter Begleitung, in der Michelangeloausstellung in der Albertina. Hinein sind wir um ca. 14:45, fertig waren wir um 17h - man schaut und schaut und merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Theoretisch könnte man dann mit der einmal gelösten Karte auch noch drei andere Ausstellungen, unter ihnen die Picassoausstellung, und die Prunkräume (hier hängt Schiele herum, wenn auch "nur" als Faximile) anschauen. Hineingelinst haben wir ja zum Picasso, aber irgendwie wär's ein halbes Verbrechen gewesen, dort nur so flüchtig durchzugehen bei dem, was da herumhängt, also haben wir beschlossen, wir lassen's und kommen nochmal extra für den Picasso (außerdem hab ich eh auch noch anderen Leuten gesagt, ich geh mit ihnen in den Michelangelo - hin kommen werd ich also sowieso nochmal.)

Denn der Michelangelo hat's in sich. Die Ausstellung macht einen weiten Bogen, der das gesamte Leben des Künstlers umfasst, begonnen mit den allerersten Zeichnungen des etwa 15-jährigen Michelangelo bis zu den letzten Beweinungen Christis, die kurz vor dem Tod des Künstlers entstanden sind. Als Besucher geht man, ausgezeichnet informiert durch die sehr guten Texte zu den jeweiligen Großprojekten und Lebensabschnitten bzw. auch die kürzeren Texten neben den Bildern selbst von Zeichnung zu Zeichnung und versucht sie zu fassen, diese ganzen Linien, die sich verbinden, ohne, dass es einem ganz gelingt.

Dabei wird einem immer wieder die Vielfalt des Künstlers vor Augen geführt: Teilweise ist es unglaublich, wie fein der Mann gezeichnet hat, dann wieder ist man überrascht, wie schnell und kräftig die Linien sind - fast schaut es dann "fotografisch" aus, in der Art, in der flüchtige Bewegungen und Gesichtsausdrücke eingefangen werden. Bei allen Zeichnungen merkt man, wie genau Michelangelo beobachtet hat. Dadurch, dass der Künstler so alt geworden ist, ist über die Jahre auch Einiges an Material zusammengekommen, mit immer neuen Einflüssen und Richtungen.

Auffällig bzw. eher überraschend ist, dass die Zeichnungen oft sehr klein sind, dafür, dass sie als Vorlage für teil riesige Arbeiten verwendet wurden. Teilweise liegt das wohl an der verwendeten Papiergröße, es scheint ihm aber durchaus gefallen zu haben, viel auf einem Blatt zu haben. Was noch auffällt, ist, dass bei Zeichnungen manchmal große Teile sehr skizzenhaft belassen werden, Details aber ganz fein herausgearbeitet wurden. Das gibt diesen Blättern eine seltsame Faszination und macht sie teilweise sehr "modern".

Neben den Zeichnungen Michelangelos wird auch sein Schaffen in der Sixtinischen Kapelle (mit Entwürfen - und einem Scherzgedicht Michelangelos selbst dazu) und im Bereich der Bildhauerei in die Ausstellung aufgenommen. Weiters wird auf die Einflussnahme des Künstlers auf zeitgenössische und spätere Künstler eingegangen, die sich teilweise seiner Entwürfe bedient haben, um eigene Werke zu schaffen.

Sowohl zu den Zeichnungen, als auch zu Michelangelos anderen Betätigungsfeldern gibt es sehr interessante kurze Videos auf Deutsch und Englisch. Angeordnet ist die Ausstellung chronologisch, wodurch man die Entwicklung des Künstlers sehr gut nachvollziehen kann - sie wird auch in den Beitexten ergänzend beschrieben. Vom Betrieb her war überraschend "wenig" los - (Mittwoch) Nachmittag dürfte eine gute Zeit für den Michelangelo sein (beim Picasso hingegen war dann etwas mehr los).

Organisation der Ausstellung: Chronologisch und sehr übersichtlich; den Raum zur Sixtinischen Kapelle könnte man aber eventuell übersehen.
Bildpräsentation: Es kann einem im ersten Moment etwas schummrig vorkommen - die Wände sind auch in dünkleren Farbtönen gehalten, allerdings gewöhnt man sich. Die Farbe der Wände passt auch immer gut zu den Zeichnungen, die in teils uralten Rahmen und Passepartouts (1895 und früher) präsentiert werden.
Info an den Wänden/ neben den Bildern: Sehr informativ, ergänzend und teilw. auf Dinge hinweisend, die man sonst einfach übersehen hätte. Sehr fein.
Gesamteindruck: Absolut sehenswert. Auch, wenn man sich vllt. nicht für alle Motive begeistern kann; die Technik allein muss man gesehen haben. Wirklich beeindruckend, längerfristig.

Angeschaut in ca. 2 1/2 Stunden.
Eintritt für Studenten: € 7,-
Eintritt normal: € 9,50


Besonders gut haben mir gefallen:

Drei Stehende in weiten Mänteln 1494-96, Tinte
Albertina, Wien

Männlicher Rückenakt, ca. 1504, schwarze Kreide
Albertina, Wien (siehe Foto)
 
Detailstudien zu den Arbeiten in der Sixtinischen Kapelle:
Armstudie zur "Trunkenheit Noahs" 1508/9 und
Studie zum Adam aus der "Vertreibung aus dem Paradies"

Studien für die Libysche Sibylle 1511/12, Rötel
The Metropolitan Museum of Art, NYC (siehe Foto)

Lächelnder Jünglingskopf, Handstudie 1508/9
Musée du Louvre, Paris

Frauenkopf ca. 1540-43, Stift in Schwarz
The Royal Collection, Windsor Castle

Weitere Informationen: http://www.albertina.at/jart/prj3/albertina/main.jart?rel=de&content-id=1202307119260&ausstellungen_id=1232606865081&reserve-mode=active

Mittwoch, 3. November 2010

"Frida Kahlo. Retrospektive", Kunstforum Austria, 3.11.10

Heut war's soweit: ich bin in netter Begleitung nach einem spontanen Vorschlag in die Frida Kahlo-Ausstellung gegangen. Neben vielen interessanten Anregungen und Einblicken (und einer schönen Postkarte..) hab ich dort außerdem Eindrücke über die Ausstellung, die Künstlerin und ihre Bilder gesammelt - und für diesen Bericht (weil über Kritiken weiß ich zu wenig) aufgeschrieben:
Beginne als Künstlerin nach dem Unfall - die Menschen leuchten aus ihren frühen Bildern. Seltsam, dass ihre Zeichnungen so ungeschickt wirken, ihre Bilder aber schon früh eine ausgefeilte, mutige Farbgebung haben - was die immer wieder mit lauten Farben macht, ist beeindruckend. (Erinnert mich diesbezüglich an Van Gogh, der teilweise auch so ungeschickt wirkende frühe Bilder produziert hat.. ? Eine Verbindung wäre hier, dass beide Autodidakten waren..). Die Künstlerin gibt sich as Frau und Mensch scheinbar ganz dar - Fehlgeburten, Ehe, Sexualität, gesundheitliche Probleme, Schmerzen, etc. - verarbeitet, und verschleiert sich nicht - wird auf den Selbstportraits auch älter. Ein tiefer Einblick, der von ihr ausgeht - ein Zugang zum Inneren einer Frau voller Wünsche und Einsamkeit?

Ihre Selbstdarstellung erfolgt dabei im Bewusstsein des Betrachters: sogar im Tagebuch, das sie in den letzten Lebensjahren geführt hat, schreibt sie teilweise "verschlüsselt", was ja einen Betrachter/ Leser voraussetzt. Ergänzt werden die beeindruckenden  Bilder, die von ihrer ersten bis zu ihrer letzten Zeichnung, von ihrem ersten gemalten Bild zu ihrem letzten reichen, durch Fotos, die Kahlo zeigen, und einigen der bunten Gewänder Firda Kahlos - eine umfassende und breite Sammlung, die das Interesse an weiterer Beschäftigung mit dem Werk der Künstlerin und dem Leben der Frau wecken.

Was bei all den beeindruckenden Werken nicht ganz so positiv auffällt, ist der seltsame, direkte Wechsel zwischen guten und misslungeneren (Perspektive, Anatomie, teilw. Technik), leuchtenden und technisch "einfacheren", matteren Bildern, der den Betrachter teilweise kaum glauben lässt, dass er vor Werken der selben Künstlerin steht. Sieht man sich die Jahreszahlen der Entstehung an, wird einiges klarer: die Bilder hängen diesbezüglich wild durcheinander. Auf die bei Kahlo naheliegende chronologische Anordnung wurde zugunsten einer (vermutlich) thematischen Annordnung verzichtet, in die sich wohl noch ein bisschen Willkür gemischt hat (so folgen auf den Raum mit den Fotos wieder Räume mit Kahlos Bildern). Man hat als Betrachter ohne viel Vorwissen bezüglich Kahlos Werk und Leben teilweise das Gefühl, es fehlt ein roter Faden - was allerdings auch an den räumlichen Gegebenheiten und diesbezüglichen Einschränkungen liegen mag.

Organisation der Ausstellung: Wirkt irgendwie "ungeordnet", unübersichtlich.
Bildpräsentation: Hier seien besonders die farbigen Wände erwähnt - passen wirklich toll zu den Bildern.
Info an den Wänden/ neben den Bildern: Gut, ergänzend und auch gut lesbar, bis auf die misslungene Farbgebung in einem Raum (Miniaturschrift in Weiß auf roten Tafeln vor einer roten Wand - Flimmern). Vielleicht wär ein bisschen mehr allgemeine Kurzinformation zum Surrealismus und Absurden nett gewesen, wenn schon mit den Begriffen geworfen wird.
Gesamteindruck: Ein wenig "chaotisch" in der Anordnung, aber das kann den Bildern ihre Faszination nicht nehmen: Anschaun! Bietet Einblicke in das schwierige Leben einer Frau und die Entwicklung einer Malerin zugleich, mit vielen wirklich sehenswerten Bilder, die es wert sind, dass man die teilweise Überfüllung und ihre seltsame Anordnung hinnimmt.

Angeschaut in ca. 1 1/2 Stunden.
Eintritt für Studenten: € 7,-
Eintritt normal: € 10,-


Besonders gut haben mir gefallen:
Selbstbildnis mit Samtkleid, 1926
Selbstbildnis mit Halskette, 1933
Selbstbildnis mit Dornenhalsband und Kolibri, 1940 (siehe Foto)
Selbstbildnis mit Affen, 1943 (-- Farben..)
Bildnis Doña Rosita Morillo, 1944

Weitere Informationen: http://www.bankaustria-kunstforum.at/de/austellungen/aktuell